| In meinem Hirn, als wär's ihr eigner Raum, Schleicht auf und nieder auf der weichen Tatze Geschmeidig sanft die schöne, stolze Katze. Und ihrer Stimme Tun vernimmt man kaum, |
| So zart und heimlich ist ihr leis Miauen. Und ob sie zärtlich, ob sie grollend rief, Stets ist der Klang verhalten, reich und tief Und Zauber weckend und geheimes Grauen. |
| Die Stimme, die schwere Perlen sank In meines Wesens dunkle Gründe nieder, Erfüllt mich wie der Klang der alten Lieder, Berauscht mich wie ein heißer Liebestrank. |
| Sie schläfert ein die grausamsten Verbrechen, Verzückung ruht in ihr. Kein Wort tut not, Doch alle Töne stehn ihr zu Gebot Und alle Sprachen, die die Menschen sprechen. |
| Auf meiner Seele Saitenspiel ließ nie Ein andrer Bogen so voll Glut und Leben Die feinsten Saiten schwingen und erbeben, Kein anderer so königlich wie sie, |
| Wie deine Stimme, rätselvolles Wesen, Seltsame Katze, engelsgleiches Tier, Denn alles, Welt und Himmel, ruht in ihr, Voll Harmonie, holdselig und erlesen. |
Charles Baudelaire
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10/2002 |